Memmingen: St. Martins-Kirche – Das Turmkreuz mit Kugel wird restauriert

Das Turmkreuz der St. Martinskirche in Memmingen war instabil geworden und drohte, mit der Kugel hinabzustürzen. Für die Restaurierungsarbeiten stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) nun 30.080 Euro bereit. Den Fördervertrag erhält Dekan Christoph Schieder in diesen Tagen. Ermöglicht wurde die Förderung durch zahlreiche zweckgebundene Spenden. Die DSD leistet auf diese Weise ihren Beitrag zur Planungssicherheit für die Bauherren, ihre Architekten und hochqualifizierten Handwerksbetriebe, um diese wichtigen Arbeitsplätze erhalten zu helfen. St. Martin, bereits in der Liste der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgütern verzeichnet, gehört seit 2015 zu den über 450 Projekten, die die private DSD dank Spenden, Erträgen ihrer Treuhandstiftungen sowie Mittel der GlücksSpirale, der Rentenlotterie von Lotto, allein in Bayern fördern konnte. Bislang reichte die DSD rund 390.000 Euro für Maßnahmen am Dach, für statische Maßnahmen und für die Inventarrestaurierung an diesem ortsbildprägenden Denkmal aus.

Als dreischiffige Basilika mit eingezogenem und erhöhtem Chor wurde St. Martin zwischen 1325 bis 1500 an der Stelle eines Vorgängerbaus aus dem 10. und 12. Jahrhundert errichtet. Der monumentale gotische Bau besitzt einen der höchsten Kirchtürme Oberschwabens. Mit seinen etwa 65 Metern ragt er weit über die Dachlandschaft der Memminger Altstadt empor.

Der aus dem 15. Jahrhundert stammende Dachstuhl über dem Mittelschiff ist einer der beiden bislang frühesten Beispiele eines „Liegenden Stuhls“ im deutschen Sprachraum. Der Plan, das Dachgeschoss ins Mittelschiff einzubeziehen, um eine eindrucksvolle Raumhöhe zu gewinnen, gleichzeitig jedoch den Blick zur Decke durch möglichst wenig Holzelemente nicht zu versperren, zwang zu dieser damals neuartigen Lösung.

Hervorzuheben ist insbesondere die wertvolle Kirchenausstattung. Dazu zählen neben den Decken- und Wandmalereien aus dem späten Mittelalter vor allem das zweireihige mit 63 Sitzflächen versehene und aus Eichenholz gefertigte Chorgestühl aus dem frühen 16. Jahrhundert. Mit seinem umfangreichen Skulpturenprogramm und zahlreichen Intarsienfeldern ist sie ein außergewöhnlich reiches Beispiel für ein spätgotisches Gestühl im süddeutschen Raum und zeugt von der hohen handwerklichen Fertigkeit lokaler Künstler.

Einzigartig dürften auch die 23 Büsten der Stifter und Meister sein, die in ausdrucksstarken Bildnissen den bürgerlichen Kosmos der freien Reichsstadt Memmingen repräsentieren. Der Taufstein von 1524 aus Rotmarmor, der Kreuzaltar von 1531, das schmiedeeiserne Chorgitter von 1603 und die hauptsächlich aus Nussbaum mit Vergoldungen gefertigte Kanzel von circa 1700 ergänzen die überregional bedeutende Kirchenausstattung.

Foto: Matthias Wagner

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